Lesewettbewerb führte zu Lehrerhochzeit

Bücher kann man auf ganz verschiedene Weise lesen. Ganz still für sich alleine oder laut, so dass auch andere etwas davon haben. Das Vorlesen ist eine höhere Stufe als das Lesen für sich selbst, denn hier kommt es darauf an, dass der Vorleser durch die richtige Lesegeschwindigkeit, Betonung und Tonlage den Inhalt und die Stimmung im Buch verständlich und nachvollziehbar rüberbringt.

Ich selbst lese sehr gerne laut, auch wenn ich alleine bin. Denn dadurch übt man sich nicht nur im Lesen, sondern auch im Sprechen, in seiner Wortwahl und Aussprache. Auf den Lesewettbewerben in unserem Landkreis bin ich immer unter den ersten Plätzen zu finden und habe schon so manche lustige Begebenheit erlebt.

So wurde der Lesewettbewerb im letzten Sommer zu einer regelrechten Love-Story. Ein Lehrer unserer Schule hatte sich in eine Lehrerin aus einer anderen Schule verknallt und versuchte nun, diese mit besonders romantischen Buchpassagen vorlesend zu beeindrucken. Die junge Frau las daraufhin ebenso leidenschaftlich vor, auch wenn es sich bei Ihr um Fachliteratur handelte. Doch das Buchthema zur Geschichte der Zuckertüte wurde mit solcher Inbrunst vorgetragen, dass unser Lehrer geradewegs sein Herz an sie verlor.

So wurde die junge – für uns noch unbekannte – Lehrerin die Siegerin des Lesewettbewerbs, weil es bisher noch niemanden gelungen war, seine Zuhörer so sehr in den Bann zu ziehen. Einige Wochen später sahen wir unseren Lehrer, wie er im Schaufenster eines Juweliers Partnerringe betrachtete. Und tatsächlich trug er kurz darauf an seiner linken Hand einen Verlobungsring.

Was lernen wir daraus? Lesen – und speziell Vorlesen – kann ebenso erotisch und verführerisch sein wie Tanzen oder Flirten. Viele finden einen lesenden Menschen sexy. Wahrscheinlich weil dies von einer gewissen Intelligenz und Sinnlichkeit zeugt. Also in Zukunft: immer ein Buch griffbereit halten.

Tags: Lesen, Lesewettbewerb, Vorleser

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